Wie eine verlorene SnailMail zu einer neuen Idee wurde

Gestern hat mir eine SnailMail-Käuferin geschrieben.
Eigentlich nichts Ungewöhnliches – ich bekomme öfter Nachrichten, wenn Briefe nicht ankommen. Briefe gehen manchmal verloren. Das passiert. Dann schicke ich einfach noch einen los.

So war es auch hier. Vor zwei Monaten meldete sie sich, weil ihre November-Snail-Mail nicht angekommen war. Ich habe ihr eine neue geschickt. Ein paar Wochen später schrieb sie erneut: Auch der zweite November-Brief war nie angekommen. Der Dezember dagegen schon. Seltsam, aber nicht unmöglich.

Gestern kam dann die Auflösung.

In ihrem Haus wohnt eine ältere Dame, ungefähr 80 Jahre alt, mit fast dem gleichen Nachnamen. Es passiert öfter, dass Post bei ihr landet. Die Käuferin hatte sie sogar zweimal gefragt, ob vielleicht ein bunter Brief bei ihr angekommen sei. Beide Male hatte die Dame verneint.

Nun trafen sie sich im Treppenhaus. Und offenbar hatte die ältere Dame ein schlechtes Gewissen. Sie gab zu, dass der Brief doch bei ihr gelandet war. Ein pinker Umschlag. Sehr auffällig. Sie hatte ihn geöffnet – und danach entsorgt.

Mein erster Impuls war Wut.
Das darf man doch nicht. Das ist fremde Post. Das ist respektlos.

Aber ich versuche, Dinge nicht nur aus einer Perspektive zu betrachten.

Und wenn ich die Situation anders herum denke, wird sie plötzlich sehr still.

Da ist eine alte Frau. Wahrscheinlich bekommt sie kaum noch Post. Keine Briefe, keine Karten, nichts Persönliches. Vielleicht nur Werbung. Vielleicht gar nichts. Und dann öffnet sie ihren Briefkasten – und da liegt etwas Buntes. Etwas Schönes. Etwas, das auffällt. Etwas, das nicht wie eine Rechnung aussieht.

Sie öffnet den Umschlag. Und merkt: Der ist nicht für mich.

Und genau das fand ich auf einmal unfassbar traurig.

Alt zu sein und keine Post mehr zu bekommen. Keine Briefe. Keine kleinen Zeichen von außen. Und dann einmal etwas Schönes in der Hand zu halten – und zu wissen, es gehört eigentlich jemand anderem.

Aus dieser Geschichte ist eine neue Idee entstanden.

Was wäre, wenn es eine SnailMail-Ausgabe gäbe, die man nicht für sich selbst bestellt? Sondern für andere. Für Menschen, die keinen Bezug zum Internet haben. Für ältere Menschen. Für jemanden, der keine Newsletter abonniert und keine digitalen Nachrichten bekommt.

Eine SnailMail, die bewusst verschenkt wird – ohne Erwartung, ohne Antwort, ohne Verpflichtung.

In dieser Sonderausgabe könnte zum Beispiel ein Print enthalten sein. Ein Blumenstrauß. Oder etwas anderes Schönes, Zeitloses. Und vielleicht einfach ein paar Worte wie: Blumen. Oder Ein Gruß.

Keine große Geschichte. Keine Erklärung. Einfach etwas Freundliches im Briefkasten.

Diese Ausgabe würde ich bewusst offenlegen. Ihr könnt vorher sehen, was enthalten ist, damit ihr entscheiden könnt, ob es thematisch zu der Person passt, die sie bekommen soll. Es geht nicht darum, jemanden zu überraschen, sondern darum, jemandem etwas zu schenken, das sonst vielleicht nie bei ihm ankommen würde.

Noch ist das nur eine Idee.
Aber sie ist aus einer echten Geschichte entstanden. Und aus dem Gefühl, dass SnailMail nicht nur für uns selbst da sein muss. Sondern vielleicht auch für Menschen, die längst aufgehört haben, auf schöne Post zu warten.

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